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Historisches

Salz war als Würze und als Konservierungsmittel, mit dem zum Beispiel Fleisch durch Pökeln haltbar gemacht werden konnte, jahrhundertelang ein echtes Luxusprodukt. Es stand nur wenigen in größerem Umfang zur Verfügung.

Handelsrouten entstanden zum Teil nur durch den Weg, den das Salz von den Produzenten zu den Verbrauchern nahm. Direkt aus den engen Kanälen der Salinen von Guérande starteten Boote, den Rumpf voll Salz. Sie fuhren die europäischen Küsten des Atlantiks entlang, sogar bis zur Nordsee, bis an die Küste des damaligen deutschen Reiches, um ihre kostbare Fracht gegen andere Waren einzutauschen und mit diesen in die bretonische Heimat zurückzukehren.

Seit wann gibt es die Salinen in Guérande? Gesichert scheint nur, dass Meeressalinen schon vor etwa 2.000 Jahren in dieser Gegend existierten, und damals sogar noch weiter nördlich in der Bretagne.

Genaues über die damals verwendete Technik weiß man nicht mehr. Historische Aufzeichnungen erzählen aber von dem wertvollen weißen Gold der Bretagne, den wichtigen Erbregelungen der Salzbauern, um die Salinen in die Hände der tüchtigsten ihrer Söhne zu legen und – manches ändert sich eben auch über die Jahrhunderte kaum – von Steuern und Abgaben, mit denen Fürsten und Könige von der Arbeit ihrer Untertanen zu profitieren versuchten.

Die Salinen von Guérande und die heute noch praktisch unveränderte Technik der Salzgewinnung existieren also schon einige Jahrhunderte. Für die älteste, ununterbrochen bewirtschaftete Saline stammen Nachweise aus der Zeit Karls des Großen.

Natürlich gingen die historischen Entwicklungen an den Salinen nicht spurlos vorbei. So drohte zuletzt in den 1960er Jahren dieser Kulturlandschaft das endgültige Aus.

Der Grund war die Industrialisierung und die damit verbundene Abwanderung der Jungen vom Land in die Städte. Die Alten fanden in ihren Söhnen kaum bereitwillige Erben der Salinen und des von den Vorfahren übermittelten Wissens über die Salzernte.

Die Rettung kam aus einer Richtung, aus der es wohl kaum einer der Alten erwartet hatte: Langhaarige "Hippies", Aussteiger, Leute, die im Französischen babacools genannt wurden, entdeckten auf der Suche nach einem naturnahen Leben die Salinen von Guérande.

Nach einigen Schwierigkeiten und wohl auch gegenseitigen Vorurteilen, die es zu beseitigen galt, gelang es dennoch:

Die Alten erkannten die Chance, ihr Wissen weiterzugeben. Und die Jungen sahen den Reichtum des kulturellen Erbes, der sich ihnen durch Geduld, harte Arbeit und vor allem durch Zuhören und Bereitschaft zum Lernen erschließen konnte.

Auch diese Zeit beginnt, historisch genannt werden zu können, liegt sie doch nun schon fast ein halbes Jahrhundert zurück. Aber sie war die Rettung für die Salinen von Guérande, die heute immer noch ein fruchtbares Kulturland sind. Ideologie ist es wohl nicht mehr, was die Salzbauern antreibt. Aber sprechen Sie einmal mit einem von ihnen über seine Arbeit und die Salinen: Wenn Sie Glück haben und er öffnet Ihnen sein Herz, werden Sie etwas von der Magie dieses Ortes erfahren. Von dem Zauber seiner Arbeit und des damit gewonnenen wundervollen Produktes von Sonne, Meer und altem, überliefertem Wissen.